Ausgerechnet am Freitag, dem 13. September, begann der Ausverkauf in den ersten 51 Praktiker-Märkten. Bis Ende Oktober sollen die Verkaufsflächen komplett leer sein, damit die Immobilien neue Investoren finden können. Dies ist das letzte Halali zur großen Schnäppchenjagd für Heimwerker, nachdem die Baumarktkette Experten zufolge unter anderem an der maßlosen Rabattierungsstrategie der vergangenen Jahre gescheitert ist. Der Untergang von Praktiker vollzog sich jedoch in einem längeren Prozess.

 

 

Von Expansion bis Panik: Die unternehmerische Entwicklung bei Praktiker

Die 1978 gegründete Praktiker-Kette konnte durch kontinuierlichen Aufkauf kleinerer Unternehmen im Heimwerker-Segment zunächst unbehindert expandieren. Sie entwickelte sich anfangs unter dem Dach des Mutterkonzerns Asko Deutsche Kaufhaus AG und nach dessen Fusion ab 1995 als Teil der starken Metro AG. Im Jahr 2005 reduzierte die Metro AG jedoch zunächst durch einen Börsengang ihren Anteil an der Praktiker-Gruppe und veräußerte im Anschluss die verbliebenen Immobilien und Geschäftsanteile. Offensichtlich hatte man in der Mutter-Holding Warnzeichen rechtzeitig erkannt. Für die nun eigenständige Praktiker-Kette bedeutete dies den Abfluss erheblicher Finanzmittel und vielleicht bereits die zentrale Schwächung, der das Management nicht mehr Herr wurde.

 

 

Fehlentscheidungen auf einem übersättigten Markt

Es gibt mehrere Einflussfaktoren für das Ende der Praktiker-Zeit in der Baumarkt-Branche.

– Es gibt schlicht zu viele Märkte für Heimwerker, Hobby und Freizeit in Deutschland. Die Rushhour nach der deutschen Wiedervereinigung ließ eine Vielzahl neuer Verkaufsflächen entstehen. Nachfrage und Kaufkraft hielten nicht mit. Geringe Gewinnspannen und ein enormer Konkurrenzdruck waren die Folge.

– Die Strategie bei Praktiker, mit groß angelegten Rabattaktionen zu reagieren, schlug fehl. Ein Teil dieser Rabattierungen gehorchte schon der Not, um die Liquidität zu sichern. Die Folge waren ein eingeschränktes „Billig“-Sortiment und anhaltender Image-Verlust.

– Einsparungen führten zu erheblichen Einbußen bei der Kundenzufriedenheit. In Umfragen landeten die Praktiker-Märkte bei Beratungsleistungen am Ende nur noch auf dem letzten Platz aller Anbieter der Branche!

– Im panisch gewordenen Management wechselten die Posten und Zuständigkeiten schneller als die Waren im Regal der Märkte. In zehnstelliger Millionenhöhe verdienten vor allem Beraterfirmen an der Ratlosigkeit der Praktiker-Führung. Retten konnten Sie das Unternehmen allerdings nicht, sondern ihm lediglich Geld entziehen.

 

 

Folgen der Praktiker-Pleite für Mitarbeiter und Kunden

Was das Ende von Praktiker für die Angestellten des Unternehmens bedeutet, ist noch nicht klar. Die Insolvenzverwaltung sucht nach finanzkräftigen Investoren, die Immobilien und Mitarbeiter übernehmen können. Gute Chancen hat die Praktiker-Tochter Max Bahr, 2007 aufgekauft und als Premium-Marke etabliert. Mit dem höherwertigen Angebot und Service ist hier die Kundenbindung deutlich besser als bei der Discounter-Marke Praktiker gelungen. Dafür könnten sich Investoren interessieren!

Einerseits freuen sich Verbraucher dieser Tage in bestimmten Regionen über noch einmal stark reduzierte Preise im Praktiker-Ausverkauf, denn jetzt muss es schnell gehen: Alles muss raus! Kunden, die noch über Gutscheine verfügen oder Waren angezahlt haben, sollten sich hingegen sofort informieren. Wenn Praktiker endgültig zahlungsunfähig ist, stehen sie in der Gefahr, Teilhaber dieses Verlustes zu werden. Auch Garantie- und Gewährleistungsansprüche können wackeln.


Bis jetzt 3 Kommentare.


  1. Apfellise sagt:

    Ich kaufe selbst generell lieber bei Bauhaus oder Hornbach ein, dort war die Beratung bisher immer 1A. Preislich kann ich nicht sagen, ob es im Vergleich zu Praktiker deutliche Unterschiede gibt.

  2. Farid sagt:

    @Apfellise Ich habe eher das Gefühl in allen Baumärkten bei der Beratung enttäuscht zu werden. Wenn man dann auch Niemanden in der Familie hat, der einem mit Rat und Tat zur Seite steht, sieht man wirklich ziemlich schnell alt aus.

  3. Bernhard sagt:

    Das war doch so abzusehen, dass Praktiker nicht ewig mit dieser billig Politik fahren kann. Wie oft haben die bitte mit 20% auf Alles geworben? Die haben das Spiel gefühlt 7, 8 Jahre geführt. Ich selber habe dort nie den ganzen Schrott gekauft.

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